Haindorf-Lecture der Universität Münster 2026 zu Gast in Hamm

Berichterstattung im Westfälischen Anzeiger vom 02.02.2026.
Wir danken für die Veröffentlichung und die Genehmigung der Wiedergabe.


Die Macht der Bilder vom Holocaust zur Hamas

Renommierter Vortrag der Haindorf Lectures über
jüdische Geschichte bis zur aktuellen Gewalt

Hamm – 800 Jahre Stadt Hamm zu feiern, dazu gehöre auch die Erinnerung an das jüdische Leben im Ort, leitete Elisabeth Morschek die „Haindorf Lectures“ am Donnerstagabend ein.
Die Vorsitzende des Hammer Geschichtsvereins begrüßte dazu nicht nur Referenten Professor Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann von der Hebrew-Universität Jerusalem mit seinem Essay „Die Botschaft der Bilder
–Der Angriff vom 7. Oktober und die Gewalt als Bild“.
Zu Gast waren ebenfalls Angela Böhme, Ludger Pastoors (beide Münster) und die Hammerin Dörte Wells. Sie sind Nachfahren des Mediziners und jüdischen Reformers Dr. Alexander Haindorf (1784-1862), der in Hamm aufwuchs und „nur kurz in Münster aktiv war“, wie Morschek ironisch anmerkte.
Laudator Ludger Hiepel ist an der Uni Münster verantwortlich für Fragen des Antisemitismus. Er erweiterte die Reihe der Ehrengäste unter den rund 80 Zuhörern im Gerd Bucerius-Saal um Hadassah Gebrurek, Vertreterin der jüdischen Gemeinde der Westfalenmetropole als Kooperationspartner der Vortragsreihe. Die „Haindorf-Lectures“ finden seit 2024 eigentlich am 30. Januar statt, dem Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler.
Das Lebenswerk des Gelehrten sei die vor 200 Jahren eröffnete Elementarschule in Münster gewesen, die erstmals jüdische Handwerker und Lehrer ausbildete, getragen wurde sie von der Marks-Haindorf-Stiftung. Die Verbindung zu Hamm sei durchaus bedeutend, schmeichelte Hiepel, Haindorf sei aufs Gymnasium
Hammonense gegangen.
Die Hebräisch-AG der Lehranstalt verfolgte ebenfalls den folgenden Vortrag des Düsseldorfers Ebbrecht-Hartmann. Er lehrt seit 2014 an der hebräischen Universität Visuelle Kultur, Medienwissenschaften und
deutsche Erinnerungs- und Kulturgeschichte.
Sein Thema brachte er anschließend sehr akademisch, andererseits überaus interessant zu den Zuhörern. Das
Streamen von Live-Bildern einer Massenvernichtung während des Überfalls der Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 hätte tatsächlich den Zweck gehabt, Israelis an den Völkermord durch die Nazis zu erinnern sowie die Hilflosigkeit und Demütigung der Juden damals.
Die Shoah sei ein latentes Trauma, so dass auch bei den Nachgeborenen Bilder geweckt worden wären. Der Referent verglich die Bilder von Polizisten, SS- und Wehrmachtsoldaten und die der Hamas-Anhänger. Zufall sei die ähnliche Bildkomposition keineswegs, unterstellte er glaubhaft.
Ebbrecht-Hartmann betonte, dass er mit seinen Aussagen auch keineswegs das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen rechtfertigen wolle.
MARKUS LIESEGANG

Das Beitragsbild von Markus Liesegang zeigt die Gäste: Obere Reihe von links: Petra Steimann (Geschäftsführerin HGV), Tobias Ebbrecht-Hartmann, Ludger Hiepel (Uni Münster), Elisabeth Morschek (Vors. HGV), unten v. l.: Hadassah Geburek, Angela Böhme, Ludger Pastoors, Dörte Wels.
Wir danken für freundliche Überlassung.